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Neuigkeiten......... aus Barnsley


20/02/21
"COVID-Skulptur zum Gedenken an Opfer und Anerkennung für Schlüsselpersonal"

Covid sculpture

Dieses Bild ist ein vorläufiges Modell der Skulptur von Graham Ibbeson, nicht die endgültige Version
Quelle: Barnsley Council

Als eine der ersten Städte im Land ergreift Barnsley konkrete Maßnahmen, um den Todesopfern der Pandemie zu gedenken und dem bewundernswerten Einsatz von Gesundheits- und Schlüsselpersonal, Freiwilligen und lokalen Initiativen Anerkennung für ihre Arbeit zu zollen. Dazu hat die Stadt wegweisend eine besondere Skulptur in Auftrag gegeben, auf der im Gegensatz zu den meisten Denkmälern weltweit ganz normale Leute abgebildet sein werden. Das Denkmal wird im November 2021 auf dem neuen Stadtplatz in der Innenstadt errichtet.

Halloween Der Auftrag für Design und Umsetzung wurde an den Barnsleyer Künstler und Bildhauer Graham Ibbeson vergeben (siehe auch Archivartikel 2019-1902).
Gegenstand der Bronze-Skulptur sind sieben Menschen, die mehrere Generationen, unterschiedliche Umfelder und verschiedene wichtige Tätigkeiten repräsentieren: junges Mädchen, älterer Mann, Freiwilliger, Krankenschwester, Betreuer, Polizist und Lehrperson. Auf dem Sockel wird eine Inschrift des Barnsleyer Dichters Ian McMillan eingraviert, der diesen wichtigen Zeitpunkt in unserer Geschichte mit beeindruckenden Worten würdigt und der Stadt, Schlüsselpersonal, freiwilligen Helfern und lokalen Initiativen für ihren unablässigen Einsatz dankt.

Barnsley’s fierce love will hold you forever in its heart
, so der Barde von Barnsley.

Den Künstlern Ian McMillan und Graham Ibbeson liegen Barnsley und seine Einwohner so sehr am Herzen, dass sie in diesem Fall auf jegliches Honorar verzichten.

„Durch unsere Arbeit wollen wir als Zeichen der Hoffnung für die Zukunft die unglaubliche Leistung unseres Schlüsselpersonals und der Allgemeinheit anerkennen und ganz normale Menschen sprichwörtlich aufs Podest erheben, um ihren unermüdlichen Einsatz, ihre Aufopferung für andere und ihre Hilfsbereitschaft für unsere Gemeinschaft zu würdigen.“

Die Kosten für die Skulptur liegen bei 210.000 GBP und somit voll und ganz im Rahmen des von der Stadt Barnsley für dieses Projekt angesetzten Gesamtbudgets von 450.000 GBP.


23/12/20
"Seasons Greetings"

twinning sign


09/11/20
"100 Jahre Städtepartnerschaften von Sarah Wilson - Senior Digital Journalist, JPI Media"

1920 GING KEIGHLEY ALS ERSTE STADT IN GROSSBRITANNIEN EINE STÄDTEPARTNERSCHAFT EIN.
TAUSENDE WEITERE FOLGTEN. HEUTE, HUNDERT JAHRE DANACH,
SIND DIESE PARTNERSCHAFTEN DURCH ÜBERALTERUNG,
SCHWINDENDE RESSOURCEN UND BILLIGREISEN VOM AUSSTERBEN BEDROHT.

100 JAHRE STÄDTEPARTNERSCHAFTEN

von Sarah Wilson, Senior Digital Journalist, JPI Media

Übersetzung: Karin Brentnall

Ursprünglich veröffentlicht in und mit freundlicher Genehmigung der

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twinning sign

In den nördlichen Ausläufern der Schwäbischen Alb, etwa 50 km östlich von Stuttgart, liegt Schwäbisch Gmünd, im Grunde eine ganz normale Stadt in Süddeutschland.

Ein Gang durch Schwäbisch Gmünd bietet alles, was man erwarten würde: gotische Kirchtürme, bunte Fachwerkhäuser, einen von 400 Jahre alten Gebäuden gesäumten, verkehrsbefreiten Marktplatz.

Schlendert man jedoch ein wenig weiter, stößt man auf etwas weniger Konventionelles: eine rote britische Telefonzelle. Heute erfüllt sie nicht mehr ihren ursprünglichen Zweck, sondern dient als internationale Bibliothek mit Büchern auf Englisch, Ungarisch, Italienisch und Deutsch, die kostenlos ausgeliehen, gelesen und dann zurückgegeben werden können.

Bei gutem Wetter sitzen Einheimische und Touristen lesend im angrenzenden „Barnsley Garden“ – so genannt, weil Schwäbisch Gmünd und Barnsley, Südyorkshire, seit 1971 Partnerstädte sind, obwohl bereits seit 1954 inoffiziell miteinander verbunden.

Die Telefonzelle war ein Geschenk von Barnsley an Schwäbisch Gmünd, und in den Zeiten vor dem Handy gab es regelmäßig Anrufe von beiden Seiten, um über Hunderte von Kilometern hinweg mit den Freunden aus der anderen Stadt in Kontakt zu bleiben.

telephone box

Die einst funktionsfähige Telefonzelle dient den Einwohnern von Schwäbisch Gmünd
heute als Minibibliothek. (Foto: Jan-Philipp Strobel)

Alan Brentnall, Vorsitzender der Barnsley Schwäbisch Gmünd Twin Town Society, hat aus zuverlässiger Quelle erfahren, dass Barnsley unter allen Partnerstädten Schwäbisch Gmünds – in Italien, Frankreich, Ungarn und anderen Ländern – „nach wie vor der Favorit ist.“ Eine solch langjährige Freundschaft zwischen britischen Städten und ihren internationalen Städtepartnern ist nichts Ungewöhnliches, schließlich sind viele von ihnen bereits seit Jahrzehnten miteinander verbunden.

Die Meinungen gehen zwar auseinander, aber Yorkshire wird allgemein als die Heimat der weltweit ersten städtepartnerschaftlichen Verbindung angesehen. Vor hundert Jahren mussten während des Ersten Weltkriegs im französischen Poix-du-Nord stationierte Soldaten aus Keighley die Zerstörung der Stadt mit ansehen und überzeugten später den Stadtrat von Keighley davon, als offizielle Geste der Solidarität ein Städtepartnerschaftsabkommen abzuschließen.

Zum offiziellen Beginn dieser Städtepartnerschaft 1920 fand eine Spendenaktion der Einwohner von Keighley statt, die 1922 zum Bau der „Keighley Hall“ in Poix-du-Nord führte, einem Veranstaltungsort, der noch heute genutzt wird. Die Verbindung zwischen Keighley und Poix-du-Nord besteht jetzt seit 100 Jahren. Die meisten Einwohner von Keighley, genau wie die meisten Leute in Großbritannien, reagieren aber auf die Frage nach ihrer „Partnerstadt“ mit Unwissenheit.

Selbst der Bürgermeister von Keighley, Councillor Peter Corkindale, der vor der Pandemie große Pläne für die Jubiläumsfeier schmiedete, muss zugeben, dass er erst durch seine Arbeit bei einer Straßenbaufirma darauf aufmerksam wurde, „als ich das auf dem Ortseingangsschild gelesen habe.“

Einweihung der Keighley Hall, 1922

Diese Reaktion ist ein gutes Beispiel dafür, wie viele Menschen in Großbritannien Städtepartnerschaften heute erleben. Im besten Fall besteht ein beiläufiges Interesse, im schlimmsten Fall wird dies als Vorwand angesehen, unter dem die jeweilige Stadtverwaltung öffentliche Gelder für Vergnügungsreisen ins Ausland verschwendet. Daher wurden im Lauf der Zeit viele städtepartnerschaftliche Verbindungen vernachlässigt oder sind in Vergessenheit geraten.

Der Trend lässt sich teilweise auf die Budgeteinsparungen bei britischen Kommunen über die letzten zehn Jahre zurückführen, aber auch auf die Veränderungen in der Welt. In dem Jahrhundert, das seit der ersten Städtepartnerschaft in Keighley vergangen ist, sind wir in das Zeitalter des Internets, der Budgetreisen und der Massenkommunikation eingetreten, und manche sind der Ansicht, dass sich solche Verbindungen heute überholt haben. Etwas näher betrachtet, geht es bei Städtepartnerschaften aber nicht nur um Freundschaft und kulturelle Bereicherung, sondern auch um Hilfe in Zeiten der Not,
um politische Solidarität und den Aufbau lokaler, internationaler Gemeinschaften – selbst dort, wo nicht mehr viel offizielle Unterstützung besteht.

Für Befürworter von Städtepartnerschaften hat es nie einen besseren Zeitpunkt gegeben, alte und neue Verbindungen zu stärken und zu fördern. Angesichts der zunehmend isolationistischen Haltung Großbritanniens, dem anstehenden Brexit und der Pandemie, in der die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit deutlich wurde, glauben sie, dass städtepartnerschaftliche Verbindungen heute wichtiger denn je sein könnten.

barnsley garden

Barnsley Garden, Schwäbisch Gmünd. (Foto: Clemens Weller)

Für viele von ihnen war das eine überwältigende Erfahrung

Keighley ist in puncto Städtepartnerschaften ein Sonderfall, denn die meisten entstanden nicht nach dem ersten, sondern erst nach dem zweiten Weltkrieg. Nach jahrzehntelangen Kriegen zwischen den Nationen Europas wurde ab 1947 eine Vielzahl von Städtepartnerschaften gegründet, als Geste der Versöhnung und des friedlichen Zusammenlebens zwischen vormals
feindlichen Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Die Idee wurde damals begeistert aufgenommen und durch Aktivitäten wie erste Auslandsreisen bis hin zu regelmäßigen Schulaustauschen, Schmieden von Freundschaften und dem Erlernen von Sprachen umgesetzt. Themen wie Erfolg, Zweck und Langlebigkeit dieser ersten Städtepartnerschaften wurden im Lauf der Zeit bereits ausgiebig erörtert. Dennoch,
so Dr. Holly Ryan, die derzeit an einem Forschungsprojekt zum Thema Internationale Freundschaft arbeitet, gibt es nicht viele neuere Untersuchungen, die sich mit den Entwicklungen seit der Nachkriegszeit befassen.

Wo liegt Ihre Partnerstadt?

yorkshire twin towns

Seit dem Krieg wurden Städtepartnerschaften auch außerhalb Europas eingerichtet. Außerdem hat sich die Partnerschaftsidee über ihren ursprünglichen Zweck hinaus weiterentwickelt. Die Kommunen erkannten schnell, dass solche Verbindungen gegenseitige Vorteile in Form von Investitionen, Handel und Tourismus mit sich bringen und förderten somit das, was Dr. Ryan als „Soft Power“ bezeichnet. street demo
Die Anti-Apartheit-Bewegung war in Leeds sehr stark ausgeprägt. Foto: Dr. Salim Essop/Voices
Against Apartheid, Leeds

Hochinteressant ist aber, dass sich Partnerschaften in bestimmten Gebieten so weiterentwickelt haben, dass sie als Mittel für politische Solidarität oder als Protest gegen offizielle Regierungspolitik dienten. Während des Kalten Krieges ging die britische Regierung sogar so weit, die Gründung von Städtepartnerschaften mit Nationen im Ostblock einzuschränken, um kommunistische Unterwanderung zu verhindern.

Aus Solidarität mit der Anti-Apartheid-Bewegung ging Leeds 1998 eine Partnerschaft mit der kurz zuvor befreiten Stadt Durban in Südafrika ein. Laut Karen Murgatroyd, Managerin bei Leeds International Relations, war diese Städtepartnerschaft nach Jahren von lautstarken Kampagnen in der Stadt gegen die Apartheid ein logischer Schritt.
„Zur Zeit der Apartheid setzten sich einige bekannte Aktivisten aus Südafrika ab und kamen nach Leeds ... Als es dann in den 90er Jahren in Südafrika endlich freie demokratische Wahlen gab, waren viele unserer Politiker so stark in der Anti-Apartheid-Bewegung engagiert, dass sie die Idee eines südafrikanischen Partners begeistert aufgriffen.“ Damals, so Karen, wollte der britische Staat die soziale Gemeinschaft und internationale Partnerschaften fördern – wodurch die Kommunen von einer Menge Geldmittel profitierten. Der British Council stellte Mittel für Beziehungen zwischen Schulen zur Verfügung, was – zu besten Zeiten – zu Partnerschaften zwischen jeweils 45 Schulen in Durban und Leeds führte.


Dank dieser Verbindungen konnten Schülerinnen und Schüler auf entgegengesetzten Seiten der Welt an Projekten in den Bereichen Demokratie und Politik, Musik, Kunst und Kultur zusammenarbeiteten. Die Auswirkungen dieser Initiative waren enorm, in manchen Fällen sogar lebensverändernd, sagt Karen: „Schulkinder aus schwierigen Verhältnissen, die noch nie woanders als in Leeds gewesen waren und sich wirklich nicht als Weltbürger betrachteten, hatten auf einmal Briefkontakt zu Kindern aus Südafrika oder komponierten gemeinsam Musik. Für viele von ihnen war das eine überwältigende Erfahrung.“

Mandela

Nelson Mandela beim Besuch der "Mandela Gardens" in Leeds, 2001. (Foto: Bruce Rollinson)

„Der wirtschaftliche Faktor war oft die Hauptmotivation“

Trotz der Erfolge zwischen Durban und Leeds in den frühen 2000er Jahren ist Karen aber der Meinung, dass Städtepartnerschaften, zumindest in Leeds, „nicht mehr zeitgemäß sind“. Wie viele andere größere Städte in Yorkshire ist auch Leeds Städtepartnerschaften in der ganzen Welt eingegangen, von Nachkriegspartnerschaften in Frankreich und Deutschland bis hin zu Verbindungen mit chinesischen Städten in den 80er Jahren. Doch nicht alle diese Beziehungen sind derzeit aktiv. Nach Angabe von Karen konzentrieren sich die Aktivitäten auf Partnerschaften, bei denen beide Städte gemeinsame „strategische Prioritäten“ haben.

Leeds

Laut Karen bieten Städtepartnerschaften nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche Möglichkeiten.
(Foto: International Relations Leeds)

Während die Verbindung nach Durban seit einiger Zeit inaktiv ist, wurde die Partnerschaft zwischen Leeds und Lille in Frankreich im Zuge der stadtplanerischen Erfahrungen wiederbelebt, die Lille mit der Einführung des Eurostar sammeln konnte.

Karen sagt, dass Lille angesichts der Hochgeschwindigkeits-Zugverbindung HS2 in Großbritannien „das perfekte Beispiel“ sei, von dem man lernen könne. Genauso will Leeds von den Partnerstädten in Frankreich und Deutschland etwas über den Kampf gegen Corona lernen, da sie, so Karen, „in Bezug auf den Krankheitsverlauf ein wenig weiter sind“.

Laut Dr. Ryan ist dies sei ein gutes Beispiel dafür, wie sich der Nutzen von Städtepartnerschaften seit der ersten Nachkriegswelle verändert hat: „Der wirtschaftliche Faktor war oft die Hauptmotivation für viele jüngere Städtepartnerschaften, vor allem zu Orten mit hohem Wirtschaftswachstum.“


Sobald sie hörten, dass wir Probleme hatten, schickten sie uns einen Lieferwagen voll mit PSA

ALAN BRENTNALL

Über wirtschaftliche Aspekte hinaus kann diese Art von Beziehungen auch zu unmittelbaren Aktionen führen, wenn „die Situation von staatlicher Seite her festgefahren ist“, sagt Dr. Ryan.

Auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie erlebte Barnsley dies aus erster Hand, als die Stadtverwaltung Schwäbisch Gmünd persönliche Schutzausrüstung (PSA) in die Stadt schickte, nachdem bekannt wurde, dass die Vorräte knapp waren.

„Sobald sie hörten, dass wir Probleme hatten, schickten sie uns einen Lieferwagen voll mit PSA“, sagt Alan ...„daraufhin wurden Gesichtsmasken im Stadtzentrum ausgegeben.“

Delegation

Letztes Jahr reiste eine Delegation aus Leeds nach Lille, um Wissen zur Stadterneuerung auszutauschen.
(Foto: International Relations, Leeds)

„Als die Bergarbeiter-Familien in Barnsley am tiefsten Punkt angelangt waren, kam ein Spendenaufruf“

Solch großzügige Aktionen rein auf strategischer oder politischer Ebene anzusiedeln, wäre jedoch irreführend. Viele größere Städte und Gemeinden haben ihre Verbindungen in den letzten Jahren zwar wirklich zum Aufbau von Kapazitäten, zur Suche nach Investoren und zur Arbeit an gemeinsamen strategischen Projekten genutzt, aber, betont Dr. Ryan, „wenn man sich nur auf die wirtschaftlichen Vorteile von Städtepartnerschaften konzentriert, geht das Gesamtbild verloren“. Bei ihren Untersuchungen, so Dr. Ryan, „fiel stark auf“, wie sehr die aktiv im Bereich Städtepartnerschaften tätigen Befragten „die intrinsischen Vorteile“ betonten, ...„das Gefühl von Wärme und Wertschätzung, das wir aus einer uns nahe stehenden anderen Person oder Personengruppe ziehen“.

a&k

Städtepartnerschaft im wahrsten Sinne des Wortes:
Alan Brentnall lernte seine Frau Karin über die Verbindung zwischen Sheffield und Bochum kennen.

Diese Meinung ist in den Städtepartnerschaftsgruppen in Yorkshire weit verbreitet. Councillor Corkindale aus Keighley sieht die Einwohner von Poix-du-Nord sozusagen als „Familienmitglieder“ an, während Alan in Barnsley erzählt, wie eine großzügige Geste gegenüber den Einwohnern von Schwäbisch Gmünd im Laufe der Jahre mehrfach erwidert wurde:

„1954 reiste Town Councillor Arthur Williams von einem Treffen im Ausland zurück, als er auf eine Gruppe weinender Schulkinder aus Deutschland aufmerksam wurde. Die Gruppe befand sich auf dem Weg nach Wales, aber die Reise musste aufgrund eines Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche von jetzt auf gleich abgesagt werden. [Williams] beriet sich telefonisch mit seinen Kollegen im Stadtrat und veranlasste, dass die Kinder stattdessen im Pfadfinderlager von Barnsley untergebracht wurden.“

Diese zufällige Begegnung führte zu halbjährlichen Jugendaustauschen und schließlich zu einem Partnerstadtabkommen.
Die Beziehung habe sich in ähnlicher Weise fortgesetzt, sagt Alan, da die Menschen in Schwäbisch Gmünd wiederholt auf Krisen in Barnsley reagierten: „Während des Bergarbeiterstreiks, als die Barnsleyer Bergarbeiter am tiefsten Punkt angelangt waren ... und selbst das Geld für Lebensmittel knapp wurde, gab es einen Spendenaufruf in Schwäbisch Gmünd, bei dem der Gegenwert von 15.000 £ für bedürftige Bergarbeiterfamilien aufgebracht wurde.“ Solch bewegende Geschichten gibt es unter den Partnerstädten in Yorkshire überraschend häufig: Sowohl York als auch Hebden Bridge haben zum Beispiel während verheerender Überschwemmungen Spenden von ihren Partnerstädten erhalten.

Die Hilfe geht in beide Richtungen, so erhielt die Partnerstadt von Hull, Freetown in Sierra Leone (die Verbindung entstand aufgrund des in Hull geborenen Sklaverei-Gegners William Wilberforce), über die Jahre hinweg von ihren Freunden in der Ferne mehrfach Unterstützung, von Nahrungsmittelspenden während des Bürgerkriegs (1991-2001) bis hin zu Katastrophenhilfe nach einer Reihe von Schlammlawinen im Jahr 2017.

Ungleiche Partner

Gorlovka

BARNSLEY, SÜDYORKSHIRE & GORLOVKA, UKRAINE

Die Partnerschaft zwischen den beiden Bergbaustädten Barnsley und Gorlovka
entstand 1956 während des Kalten Kriegs. 1998 nahm der Kosmonaut Alexander Volkov
das Maskottchen „Sam Barn“ des Barnsley Chronicle mit ins All.

„Es gibt kaum Beweise für diese sogenannten Vergnügungsreisen“

Natürlich sieht es nicht mit jeder Städtepartnerschaft in Yorkshire so rosig aus: 2011 brach der ehemalige Bürgermeister von Doncaster, Peter Davies, unter viel Wirbel die Beziehungen zu fünf Partnerstädten ab, um Gelder einzusparen. Anschuldigungen in Bezug auf eine isolationistische Haltung der Stadt wies er zurück. Selbst dort, wo die Stadtverwaltungen nicht prinzipiell gegen Städtepartnerschaften waren, sind die Gründe für den Abbruch oder das Einschlafen der Verbindungen ähnlich: ein Jahrzehnt von Sparmaßnahmen, in dem kommunale Budgets immer mehr gekürzt wurden, sodass kein Geld für Städtepartnerschaften übrig blieb. In Doncaster, Rotherham und Sheffield wurde in den letzten fünf Jahren kein Geld für Städtepartnerschaften ausgegeben. Die Kommunen in anderen Gebieten waren bislang häufig auf externe EU-Fördermittel angewiesen, die bald versiegen könnten.

Kommunale Ausgaben für Städtepartnerschaften in Yorkshire, 2015-2019

Council tt spending

Auch negative Einstellungen waren der Partnerstadt-Idee nicht zuträglich. In den letzten Jahren wurden mehrfach Vorwürfe erhoben, dass Mitglieder der Stadtverwaltung öffentliche Gelder für „Vergnügungsreisen“ verschwenden würden. Man müsse sich zwar im Hinblick auf Beamtenreisen einen „gesunden Zynismus“ bewahren, so Dr. Ryan, doch ihre Untersuchungen hätten in der Tat „kaum Beweise für diese sogenannten Vergnügungsreisen aufgetan ..... sie dienen in der Regel dem fachlichen Austausch, dem Kapazitätsaufbau oder haben diplomatische Gründe“.

Selbst dort, wo von Freiwilligen geleitete, selbstfinanzierte Städtepartnerschaftsvereine die Verbindungen aufrechterhalten haben, hat schlechte Presse der Sache oft geschadet. Daher sind manche Kommunen heute nicht mehr bereit, sich auch nur positiv zu städtepartnerschaftlichen Verbindungen zu äußern, geschweige denn sie zu finanzieren. „In Kommunen scheint die Meinung vorzuherrschen, dass jegliche Aktivitäten im Bereich Städtepartnerschaften als 'Vergnügungsreisen' angesehen werden könnten“, erläutert Alan.

Nanning city

Abbruch von Beziehungen:
Wakefield bricht möglicherweise die Verbindungen zu Nanning City aus Menschenrechtsgründen ab.

Ohne Unterstützung durch die Stadt, so Alan, bestehe das Problem dann weniger in einer negativen Einstellung von Seiten der Öffentlichkeit, sondern eher in völliger Ignoranz: „Wir hatten mehrere Treffen mit der Stadt [Barnsley], und immer hieß es: ‘Wir haben kein Geld.‘ Uns geht es aber nicht ums Geld, sondern darum, dass die Stadtverwaltung die Städtepartnerschaft unterstützt, und zwar angefangen von ganz oben. In Deutschland ist das der Fall .... der Partnerstadtverein in Schwäbisch Gmünd wird stark von der Kommunalverwaltung unterstützt – das wird dort als wichtig für Bürger und Gemeinschaft angesehen.“

Laut Alan bedeutet dieser Mangel an Fürsprache durch die Stadt, dass sich die Menschen vor Ort immer weniger bewusst sind, welche Hilfe Barnsley über die Jahre hinweg von Schwäbisch Gmünd erhalten hat: „Meine Frage an die Bergleute, die von Schwäbisch Gmünd unterstützt wurden, lautet: Wo seid ihr jetzt? Man hätte z. B. der nächsten Generation vermitteln können, dass Hilfe aus der Partnerstadt kam, als sie wirklich vonnöten war.“

miners strike

Als während des Bergarbeiterstreiks das Geld knapp wurde,
gab es einen Spendenaufruf in der Partnerstadt von Barnsley für die betroffenen Familien.
(Foto: Moore and Nicol/Express Newspapers/Getty Images)

Die Menschen können sich nicht wirklich eine eigene Meinung bilden

Es ist diese, also die jüngere Generation, durch die jetzt das Überleben von Städtepartnerschaften im ganzen Land in Frage gestellt wird. Viele Mitglieder aus den Städtepartnerschaften der Nachkriegszeit sind inzwischen verstorben, und die verbleibenden werden immer älter.

„Es ist ein Problem, jüngere Menschen einzubringen“, erklärt Alan, der das mangelnde Interesse auf die heutigen günstigen Reiseangebote zurückführt, bei denen man „für 19,99 Pfund an fast jeden Ort der Welt fliegen kann“.

Darüber hinaus wird das Problem nach Ansicht von Dr. Ryan noch dadurch verschärft, dass die Menschen in der heutigen Zeit nach einer bestimmten Art von Urlaubserlebnis suchen: „Jahrzehnte lang existierten Partnerstadtbesuche und die schnell wachsende Reisebranche Seite an Seite ... Heute aber sind Touristen immer mehr an neuen Erfahrungen interessiert. Reisen in Partnerstädte haben einen anderen Sinn. Sie begründen sich nicht auf Konsum oder immer neue Erfahrungen, sondern darauf, einen Ort wirklich kennenzulernen.“

Keighley Hall

Einheimische aus Knaresborough und der Partnerstadt Bebra 1985
bei einem Bootsrennen auf dem Fluss Nidd. (Foto: YPN)

Eine Reihe von Vereinen versucht bereits, den Einstieg für die nächste Generation attraktiver zu machen: In Todmorden beispielsweise erhalten Kinder unter 14 Jahren 50 % Ermäßigung auf Reisen in die Partnerstädte Bramsche oder Roncq.
„Wir müssen die Kosten möglichst niedrig halten“, erklärt Anne Foster, Vorsitzende des Todmordener Vereins für Städtepartnerschaft, „denn vor allem junge Familien haben oft nicht viel Geld.“

Anderswo gibt es Initiativen für engere Verbindungen zwischen Schulen in Partnerstädten, in der Hoffnung, die jüngere Generationen dadurch zu inspirieren. In unserer heutigen Zeit der gesellschaftlichen und weltpolitischen Spaltung glauben die Partnerstadtvereine, dass internationale Verbindungen, insbesondere zwischen Schulen, eine entscheidende Rolle bei der Förderung von Toleranz und Verständnis zwischen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund spielen könnten: „Erfahrungen [mit anderen Kulturen] haben Auswirkungen über das schulische Umfeld hinaus“, beurteilt Karen die Schulpartnerschaften zwischen Leeds und Durban. „Sie prägen nicht nur die Art und Weise, wie [Kinder] denken, sondern auch die ihrer Eltern und Familien.“

children exchange

Schülerinnen und Schüler aus Leeds und Lille letztes Jahr bei der Teilnahme an einem
von der EU finanzierten Bildungsprojekt zum Thema kommunaler Kulturaustausch
(Foto: Leeds International Relations)

Councillor Corkindale räumt zwar ein, dass „die politische Lage im Moment relativ prekär ist“, meint aber, dass Städtepartnerschaften, auf den Punkt gebracht, „die Idee verkörpern, dass es jede Menge nette Menschen auf der Welt gibt, ganz unabhängig von ihrer Staatszugehörigkeit.“ Viele wie Councillor Corkindale sehen ihre Partnerschaften als Mittel zum Aufbau von Freundschaften an, die nichts mit Politik zu tun haben und schon gar nicht mit dem Brexit. „Mir sind keine konkreten Beispiele bekannt, in denen Städte wegen dem Brexit eine Städtepartnerschaft aufgekündigt haben“, so Dr. Ryan. Bei einer Reihe von Partnerschaften wird vielmehr versucht, „die Auswirkungen [des Brexit] aufgrund eigener Erfahrungen langjähriger Freundschaft abzuschwächen“. Oft sehen Befürworter von Städtepartnerschaften die größte Herausforderung nicht im Brexit, sondern darin, die Menschen für diese Verbindungen und ihren bleibenden Wert für die Allgemeinheit zu sensibilisieren.

„Wir [das Vereinigte Königreich] befinden uns in einer anderen Situation als andere Länder wie z. B. die USA, wo es eine große Dachorganisation namens 'Sister Cities International' gibt ... wir haben kein solches überregionales Gremium“, erklärt Dr. Ryan. „Daher können die Menschen sich nicht wirklich eine eigene Meinung bilden, weil sie einfach nicht genug über ihre jeweiligen Städtepartnerschaften und deren Vorteile für die Gesellschaft wissen – es gibt niemanden, der all diese Informationen zusammenträgt.“ Städtepartnerschaften haben nichts von ihren „ursprünglich radikalen Konzepten und Zielen“ eingebüßt, glaubt Dr. Ryan, beispielsweise bei neueren Partnerschaften mit Orten in besetzten Palästinensergebieten und zwischen Städten in der Republik Irland und Nordirland. Doch es ist wieder einmal der „Mangel an Ressourcen – personell und finanziell“, so Dr. Ryan, der dazu führt, dass diese Beispiele nur selten Schlagzeilen machen. In Ermangelung kommunaler, staatlicher oder sonstiger Unterstützung liegt es an den vielen ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern, die Zukunft ihrer Städtepartnerschaften zu bestimmen.

Keighley Hall

Keighley Hall in Poix-du-Nord soll zum 100-jährigen Jubiläum
mit staatlichen Geldern in Höhe von 80.000 € renoviert werden.

Wie Alan aus Barnsley sind viele fest davon überzeugt, dass Städtepartnerschaften als Mittel zur Bereicherung der Gemeinschaft, zur Förderung von Toleranz und zum Aufbau langjähriger Beziehungen – persönlicher oder anderer Art – zwischen verschiedenen Nationen heute unverzichtbarer sind als je zuvor“. Seiner Meinung nach wird die Zukunft der fast
50-jährigen Verbindung zwischen Barnsley und Schwäbisch Gmünd sicherlich auch Probleme mit sich bringen, aber er ist zuversichtlich, dass sich diese aufgrund der engen Freundschaft zwischen den beiden Städten überwinden lassen:

„Sie kriegen uns jetzt zwar aus der Europäischen Union raus. Aus Schwäbisch Gmünd aber werden sie uns nie rauskriegen!“


Yorkshire Post – https://www.yorkshirepost.co.uk

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